Charlie und die Meinungsfreiheit

Sieben Tage ist es nun her, dass die Redaktion von Charlie Hebdo brutal überfallen und 12 Menschen einfach erschossen wurden. Einen Tag später wurde eine Polizistin das nächste Opfer eines weiteren Möchte-gern-Märtyrers, der am nächsten Tag noch einmal 4 Männer in einem jüdischen Laden erschoss und diverse Geiseln nahm.

 

Für mich und zum Glück Milliarden (oder Millionen?) anderer Menschen ein absolutes No-Go. Kein Mensch hat das Recht, einem anderen Menschen das Leben zu nehmen, nur weil er eine andere Religion, sexuelle Ausrichtung oder eine andere Meinung hat. Leider aber gibt es immer noch Länder, in denen dies nicht gilt. Die Meinungsfreiheit finde ich sehr wichtig. Jeder sollte ohne Angst formulieren können, wenn er anderer Meinung ist.

 

So tragisch die ganze Geschichte auch ist, hatte es doch etwas Gutes an sich: Endlich haben sich viele Moslems überall auf der Welt klar von diesen Fundamentalisten distanziert. Das Ziel der Attentäter ging nicht auf, sondern hat Millionen von Menschen aller Glaubensrichtungen zusammengeführt.

 

Soweit die Zusammenfassung der Ereignisse. Wie schon gesagt, ist für mich die Meinungsfreiheit ein wichtiges Gut. Gehört zur Meinungsfreiheit aber unbedingt auch, dass man den guten Ton verliert? Viele Zeichnungen von Charlie Hebdo  sind meiner Meinung nach schlichtweg niveaulos. Über einige der Zeichnungen konnte ich herrlich lachen oder mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Aber muss man wirklich, um seine Meinung kund zu tun, dermassen unter die Gürtellinie gehen?

 

Vor einigen Jahren habe ich sehr gerne die Sendung TV Total von Stefan Raab gesehen. Aber irgendwann habe ich damit aufgehört, weil ich es einfach nicht lustig finde, sich über andere lustig zu machen oder sie bloss zu stellen. Ich kann mich gut an ein Interview von ihm mit Britney Spears erinnern, wo er ihr ein Lied vorsang und sie als F...matratze bezeichnete. Sie war dermassen perplex, dass sie gar nicht richtig wusste, wie sie darauf reagieren sollte und versuchte, das Ganze zu ignorieren.  

 

Geht das unter Meinungsfreiheit oder soll es einfach lustig sein? Oder ist das die neue Form des Entertainments?

 

Im Google habe ich folgende Definition von Satire gefunden: eine Kunstgattung, die durch Spott, Ironie und Übertreibung bestimmte Personen, Anschauungen, Ereignisse oder Zustände kritisieren oder verächtlich machen will.

 

Aber wo sind die Grenzen? Gehört das noch zur Kunst? Kann man alles unter dem Deckmantel "Meinungsfreiheit" unterbringen?

 

Ich stelle gerne noch eine andere provokative Frage? Würde es die Mohammed-Karikaturen nicht geben, wären dann die Opfer jetzt noch am Leben?

 

Natürlich kann man es so nicht anschauen. Was ich damit aber sagen möchte, ist, dass jede/r Handlung/Gedanke einen Stein ins Rollen bringt. Die Karikaturen von Mohammed haben die Attentäter auf den Plan gerufen und viele Menschen wurden dabei getötet. Ja, Sie haben recht, wäre es hier nicht gewesen, hätte es ein anderes Attentat gegeben.

 

Aber ist es denn wirklich notwendig, die Meinungsfreiheit bis zum Äussersten auszuleben? Trägt derjenige, der dies tut, nicht auch einen Teil der Verantwortung für das Folgegeschehen? Es geht mir hier nicht um Schuldzuweisung, sondern darum, dass jedem bewusst sein sollte, dass sein Handeln eine Wirkung im Universum hat.

 

Ich finde nicht, dass es für alles zwingend Gesetze braucht, aber es wäre doch schön, wenn sich jeder einmal überlegt, wo für einem persönlich die Grenzen der Satire, Meinungsfreiheit und des Humors sind.

 

In diesem Sinne: je suis Brigitte

 

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