Der Delfin

Im Sommer 2012 gingen wir, wie schon so viele Jahre davor, nach Kusadasi in der Türkei in die Ferien. Vor über 20 Jahren haben wir diesen Ort (ca. 70 km südlich von Izmir) mit den Motorrädern entdeckt und haben dann jeweils, nach der Geburt unserer Tochter Dana, in einem Hotel Urlaub gemacht. In diesem Hotel, besser gesagt, in einem der Pools, hat sie auch mit 5 Jahren schwimmen gelernt. Für uns ein Ort, an den wir immer wieder gerne hingehen.

 

Wir lagen also vormittags am Pool, als meine Tochter plötzlich Kanu fahren gehen wollte. Ich sofort Feuer und Flamme, da sonst immer ich die treibende Kraft bin, und wir gingen die Treppen hinunter zum Strand. Das Hotel liegt auf oder an einem Hügel, so dass man jeweils steil die Treppen oder die Strasse hoch oder runter gehen muss.

 

Am Wasser angekommen, lehnten wir uns jeweils ein Kanu aus und fuhren auf's Meer hinaus. Interessanterweise zog es mich dieses Mal auf die linke Seite, wo ich sonst nie hinpaddelte. Wir ruderten also nach links und nach ein paar Minuten stoppte ich stutzend: was war da im Wasser? Eine Flosse oder täuschte ich mich? Nein, da war eine Flosse... ein Delfin! Wir konnten es kaum glauben, da war ein Delphin in der Bucht beim Aquacenter. Jetzt verstand ich auch, weshalb die Menschen am Strand waren und in die Bucht schauten. Nicht wegen eines Kurses sondern wegen des Delfins.

 

Aber was hatte er da an der Flosse? Es sah aus, wie wenn sich ein Ast an seiner Flosse verfangen hätte. Mit der Zeit konnten wir aber sehen, dass es sich um einen Peilsender handelte. Es war also ein Defhin, der überwacht wurde.

 

Der Anblick des Delfins erfüllte Dana und mich mit so einer Glückseligkeit, das kann man gar nicht beschreiben. Leider konnten wir nicht nahe an ihn ran, da die Bucht für Boote gesperrt war.

 

Nach einiger Zeit paddelten wir zurück, rannten die Treppen hoch und rissen Tommy aus seinem Schlaf. Er müsse sofort mit uns mitkommen, keine Zeit zu diskutieren. Videokamera mitnehmen und los. Er wolle aber keine Bootstour machen, wir sollen ihn nicht wegen so etwas mitschleppen. Als wir ihm versprachen, dass es nicht um eine Bootstour ging, kam er etwas widerwillig mit.

 

Unten angekommen liefen wir zum Strand an den Teil, wo der Delfin sich befand. Tommy war genau so überrascht wie wir. Über eine Treppe konnten wir ins Wasser und schwammen nun, wie ein paar andere Leute auch, ein paar Meter vom Delfin entfernt. Das war einfach gigantisch! Zwischendurch schwamm er unter uns durch, aber da das Wasser nicht klar war, konnten wir ihn unter Wasser nicht gut sehen.

 

Dann gab es eine etwas schräge Situation: Jeder, der schon einmal den Film "Der weisse Hai" gesehen hat, kennt dies. Man sieht die Flosse des Hais, der auf jemandem zuschwimmt und plötzlich taucht er ab. Genau das machte der Delfin mit uns. Nur war ich nicht vor dem Fernseher, sondern ich befand mich mitten im Wasser und mir war extrem komisch zumute. Ein Holländer, ein paar Meter neben mir, meinte, dass wir wohl die falschen Filme guckten. Ihm ging es genauso. Aber natürlich frass der Delfin uns nicht an, sondern schwamm einfach unter uns durch.

 

Es war einfach ein wundervolles Gefühl, zusammen im gleichen Wasser mit einem Delfin zu sein. Vor allem mit einem freilebenden Delfin. Seit Jahren gehören Delfine zu meinem Lieblingstieren und es ist seit meiner Kindheit ein Traum von mir, mit freilebenden Delfinen schwimmen zu können. Ein Teil dieses Traumes ist nun Wirklichkeit geworden!

 

Später haben wir herausgefunden, dass es sich bei diesem Tier um einen von zwei Delfinen (Misha und Tom) handelt, die durch eine grosse Rettungsaktion von einer englischen Schauspielerin, PETA und vielen anderen Organisationen und Menschen, gerettet wurden. Die Beiden wurden von einem russischen Geschäftsmann in einem kleinen Becken in Hisarönü gehalten, mit dem Zweck, Touristen 50 Euro abzuknöpfen, damit sie mit den Delfinen schwimmen können.

 

Mir fehlen schlichtweg die Worte, was Menschen Tieren antun können. Da sollen wir Menschen das stärkste Lebewesen sein, aber gleichzeitig sind wir auch das absolut Dümmste. Stark ist man nur, wenn man sich auch um die Schwächeren kümmert.

 

Solange wir Menschen, und zwar alle, nicht endlich begreifen, dass wir Verantwortung für unsere Umwelt, Menschen und Tiere tragen müssen, dürfen wir uns nicht wundern, dass es Kriege gibt auf dieser Welt.

 

Hoffen wir, dass irgendwann in ferner Zukunft, die Spezies Mensch, zurecht als stärkstes Lebenwesen gilt...

 

 

 

 

Die Grösse und den moralischen Fortschritt

einer Nation kann man daran messen,

wie sie ihre Tiere behandelt.


                                                Mahatma Gandhi

 

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