Therapeut und Patient

 

 

Jeder Mensch braucht einmal die Hilfe eines Therapeuten und Therapeuten sind davon auch nicht ausgenommen. Seit einiger Zeit plagen mich Schmerzen, die ich nicht selber therapieren kann. Daher habe ich mich entschlossen, die Hilfe eines anderen Therapeuten in Anspruch zu nehmen.

 

Mir wurde ein traditionell chinesischer TCM-Arzt empfohlen und da ich selber mit Akkupunktur-Punkten arbeite, fand ich das eine gute Idee. Ich bin offen für Neues und absolut neugierig, andere Therapieformen kennenzulernen. Daher fand ich es spannend, einmal zu sehen, wie ein fernöstlicher Arzt so arbeitet. 

 

Mein erster Eindruck in der Praxis war total gut und ich fand es super, wie nett ich empfangen wurde. Auch die mir ausgehändigten Informationsblätter machten einen positiven Eindruck auf mich. Da mein zuständiger Arzt nicht wirklich deutsch sprach, war eine Dolmetscherin anwesend, welche die Untersuchungsnotizen machte und übersetzte. Nach dem Erstgespräch ging es also los mit der Akkupunktur. Schon bei der ersten Nadel merkte ich, wie es durch meinen Körper strömte. Leider verging das interessante Gefühl sehr schnell, da bei sehr vielen Akkupunkturpunkten ich richtigehend Stromstösse empfand. Das war alles andere als hilfreich und ich versuchte, mich nicht zu verkrampfen. Was absolut nicht einfach war!

 

Nach der ersten Behandlung war ich total fertig, konnte meine Hände kaum mehr bewegen und hinkte mit dem einen Bein. Ich nahm das Ganze nicht allzu tragisch und nahm es als Erstreaktion in Kauf.

 

Bei der zweiten Behandlung war ich nicht mehr so locker, wie beim ersten Mal, versuchte aber weiterhin, mich zu entspannen. Die Schmerzen waren noch stärker als beim ersten Mal. Aber ich war nicht mehr so kaputt danach.

 

Noch heftiger wurde alles bei der dritten Behandlung und beim anschliessenden ruhigen Daliegen (ca. 35 Min.) war keine richtige Entspannung mehr möglich.

 

Zu hause habe ich mich dann dazu entschlossen, die Behandlung abzubrechen. Mein ganzer Körper tat nur noch weh und es machte für mich keinen Sinn, wenn die Behandlung nur schmerzhaft war. Wie soll so eine Gesundung eintreten? Ich rief also an, um die verbleibenden Termine abzusagen. Die Praxishelferin war sehr nett und fragte mich nach den Gründen dafür. Nachdem ich ihr meine Gründe erklärt hatte, meinte sie, man könnte es ja auch mit der TuiNa-Massage (Akkupunktur-Punkte werden massiert) versuchen. Die sei auch sehr effektiv. Sie hätten zwischendurch Klienten, die mit den Nadeln Probleme hätten, aber dann gute Erfahrungen mit dieser Massage machen.

 

Das fand ich eine gute Alternative und ich willigte ein. Ziemlich entspannt ging ich also zur nächsten Behandlung. Dieses Mal hatte ich einen anderen Arzt, der für die TuiNa-Massage spezialisiert ist. Er untersuchte meinen Körper und teilte dann seine Behandlungmethode mit. Zuerst TuiNa-Massage und dann Akkupunktur! Ich war total baff und lies das Gerede von der Dolmetscherin, wie toll die Behandlungserfolge vom Arzt seien, über mich ergehen.

 

Spätestens da hätte ich nein sagen sollen. Leider war ich aber dermassen perplex, dass ich gar nicht reagieren konnte. Ich hielt das Ganze irgendwie noch für ein Missverständnis, wahrscheichlich hatte ich mich verhört.

 

Die Massage war absolut grässlich. Für mich war das keine Massage sondern ein Foltern. Zusätzlich hatte ich noch eine Zerrung am Oberschenkel, was ich auch erwähnte, aber da wurde keine Rücksicht darauf genommen. Teilweise mit massiver Kraft wurde auf mir rumgedrückt. Als die erlebte Viertelstunde (und gefühlten 3 Std.!) vorbei waren, kam er tatsächlich mit Nadeln. Ich war wie paralisiert. Bereits bei der zweiten Nadel jagte der Stromstoss wieder voll durch meinen Körper. Als er die nächste Nadel in der Kniekehle ansetzen wollte (Eine Stelle, die seit dem erstem Mal sehr empfindlich ist.), sagte ich nein. Er meinte dann, das sei eine sehr wichtige Stelle, aber ich konnte nicht mehr und lehnte ab.

 

Nun sollte ich mich ca. 40 Minuten entspannen. Von Entspannung war keine Rede und ich war selber schockiert, als mir die Tränen aus den Augen liefen. Ich fühlte mich total ausgeliefert, übergangen und nicht wahrgenommen. Mein ganzer Körper schmerzte und fühlte sich total verkrampft an.

 

Ich brauchte die 40 Min., um einigermassen von diesem Schmerzlevel runterzukommen und für mich klar zu entscheiden, keine weiteren Behandlungen hier machen zu lassen. Auch kam mir während dieser Zeit der Input, mich vermehrt mit den Akkupunktur-Punkten auseinander zu setzen und sie in meiner Praxis einzusetzen.

 

Nach Ablauf der "Entspannungszeit" kamen Arzt und Dolmetscherin hinein und entfernten die Nadeln. Als ob es nicht schon genug gewesen wäre, wollte er noch einmal eine Nadel setzen... Ich konnte das nicht fassen. Wie oft musste ich denn noch sagen, dass ich keine Akkupunktur mehr möchte. "Keine Nadeln mehr!", sagte ich. Ich merkte, dass der Arzt eingeschnappt war, aber zu diesem Zeitpunkt war mir das egal. Es ging hier um mich und nicht um das verletzte Ego des Therapeuten!

 

Als der Arzt draussen war, sprach ich noch mit der Dolmetscherin. Das Einzige, was sie dauernd sagte, war, das dies normal sei und ein gutes Zeichen dafür (wenn es weh tut), dass die Nadel richtig gesetzt sei. Sie ging überhaupt nicht auf mich ein.

 

Die Praxisassistentin draussen konnte es nicht fassen, dass jetzt trotzdem Akkupunktur bei mir gemacht wurde. Sie fand es überhaupt nicht in Ordnung und verstand, dass ich nicht mehr kommen würde. Sie wollte auf alle Fälle mit der Dolmetscherin darüber reden. Schön, dass doch wenigstens jemand auf mich eingegangen ist...

 

Ich muss dazu sagen, dass ich keine Nadelphobie oder etwas in der Art habe. Mir macht es auch überhaupt nichts aus, wenn bei mir Blut abgenommen wird. Man kann es also nicht darauf abschieben.

 

Wie der Zufall so wollte, telefonierte ich ein paar Minuten später mit einer Kollegin, die ebenfalls als Therapeutin tätig ist. Sie selber geht auch zur Akkupunktur und konnte es sich gar nicht erklären, dass mir das so weh tat. Plötzlich hatte sie die Eingebung, dass ich auf die Silbernadeln reagiere. Das machte für mich absolut Sinn, denn ich vertrage keinen Silberschmuck. Innerhalb kürzester Zeit wird der Schmuck und meine Haut darum herum schwarz, wenn ich Schmuck aus Silber trage. Da hatten wir also wahrscheinlich die Ursache für meine starke Reaktion auf die Akkupunktur...

 

Fakt ist, dass durch diese ganzen Vorfälle der Heilungsprozess ganz klar länger geht. Allein der psychische Aspekt, dass ich dermassen übergangen wurde, setzt mir recht zu und gibt mir zu denken. Wieso ist mir das passiert? Es muss ja irgendeine Resonanz in mir vorhanden sein, dass ich das erlebte. Ziemlich sicher geht es auch darum, mich viel klarer wahrzunehmen und viel früher nein zu sagen. Die Hürde, sprachlos zu sein, viel schneller zu nehmen. Tja, da bin ich wohl beim Thema: meine Lektion (laut Handanalyse) ist die Abgrenzung. Ich muss lernen, mich abzugrenzen. Nichts zuzulassen, was ich nicht möchte und mir gut tut.

 

Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass ich gegen die Akkupunktur bin. Ganz und gar nicht, ich finde das eine gute Sache. Für mich hat es einfach nicht gepasst, auf alle Fälle nicht mit Nadeln. Es gibt aber heutzutage andere Möglichkeiten, die Meridiane und Akkupunkturpunkte anzuregen. Sei es mit einem Gerät oder auf dem energetischen Weg.

 

Für mich hat sich daraus sogar noch ergeben, dass ich mich noch mehr mit den Meridianen auseinander setzen und in meine Arbeit einbinden werde. Aber alles auf energetischen Weg, d. h. auf rein geistiger Ebene und ohne Schmerzen. Das ist meine Stärke und das liegt mir.

 

Mein Anliegen bei diesem Blog-Artikel ist der, Ihr Bewusstsein zu verstärken, dass Sie sich Ihren Therapeuten oder Arzt auch (und vor allem) danach aussuchen, ob er auf Sie eingeht und Sie wahrnimmt. Es geht bei einer Behandlung um Sie und nicht darum den Therapeuten auf dem goldenen Thron zu huldigen. Die Zeit der Götter in weiss ist vorbei. Für mich stehen Arzt und Patient auf der gleichen Stufe.

 

Der Arzt, bei dem ich war, therapiert zwar (für unsere Verhältnisse) mit einer alternativen Heilmethode. Aber NICHT ganzheitlich. Ansonsten hätte er meine Wünsche und Bedürfnisse nicht ignoriert.

 

Fühlen Sie sich also bei einer Behandlung nicht wohl oder sind mit gewissen Massnahmen nicht einverstanden, teilen Sie es mit. Besteht der Therapeut auf seinem Konzept und geht nicht auf sie ein, stoppen Sie die Behandlung und suchen Sie sich jemand anderen.

 

Mir liegt sehr daran, dass die Klienten sich bei mir wohlfühlen und ich hoffe, dass mir das auch immer gelingt. Und sollte dies tatsächlich einmal nicht der Fall sein, bitte ich darum , dass ich einen riesengrossen Wink mit einem 10m Zaunpfahl bekomme..

 

 

 

 

 

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